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Früher war der Herbst die Zeit, in der das Staudenbeet „sauber“ gemacht wurde. Heute lautet die Empfehlung der österreichischen Naturgarten-Fachstellen anders: Die meisten Stauden dürfen über den Winter stehen bleiben. Ganz ohne Schere geht es aber nicht, denn einige Arten profitieren von einem Herbstschnitt. Dieser Ratgeber zeigt, was Sie jetzt stehen lassen, was Sie schneiden dürfen und wann im Frühjahr der Rückschnitt nachgeholt wird.
Warum Stauden im Herbst meist stehen bleiben
DIE UMWELTBERATUNG schreibt, dass es lange üblich war, vertrocknete Stauden und Gräser im Herbst zurückzuschneiden und die Samenstände zu entfernen. Weil diese Pflanzen für Tiere aber überlebenswichtig seien, laute die Empfehlung für den Naturgarten, mit dem Zurückschneiden bis zum Frühling zu warten. Dahinter stehen zwei Gründe.
- Winterquartier für Insekten: Laut DIE UMWELTBERATUNG sind Pflanzenstängel gute Winterquartiere für Insekten und Spinnen. In und an den Stängeln überwintern nach ihrer Darstellung Wildbienenlarven, Schmetterlingspuppen und andere Insekten. Auch der Naturschutzbund Österreich hält fest, dass Pflanzenstängel verschiedenen Insekten als Winterquartier dienen. „Natur im Garten“ schreibt, dass vertrocknete Büschel Überwinterungsmöglichkeiten für viele Insekten bieten.
- Futter für Vögel: Der Naturschutzbund nennt Samenstände und verbliebene Früchte als Nahrung für Vögel. „Natur im Garten“ bezeichnet die Samen- und Fruchtstände als wichtige Nahrungsquelle für die Tiere des Gartens in den kalten Wintermonaten.
Manche Wildbienen sind auf stehende Stängel besonders angewiesen. Nach DIE UMWELTBERATUNG legen sie ihre Eier in Pflanzenstängel und verholzte Stauden, die jungen Bienen schlüpfen häufig erst im folgenden Frühjahr. „Natur im Garten“ ergänzt, dass standfeste Stängel, etwa die der Karde, sogar über den Frühling hinaus als Brutraum für Wildbienen stehen bleiben können.
Daraus folgt für die Praxis: Verblühte Stauden müssen laut Naturschutzbund im Herbst nicht sofort zurückgeschnitten werden. „Natur im Garten“ rät, Staudenbeete nicht im Herbst, sondern erst nach dem Winter durchzuputzen.
Welche Stauden Sie im Herbst schneiden dürfen
Die Regel „stehen lassen“ hat Ausnahmen, vor allem dort, wo Pilzkrankheiten ein Thema sind. „Natur im Garten“ beschreibt, dass ein bodenebener Schnitt im Herbst, der Pilzbefall vorbeugt, Pfingstrosen und Arten der Schneerosen-Verwandtschaft (Helleborus) besser über den Winter hilft. Wo es immer wieder Pilzprobleme gibt, sei ein Schnitt auch bei Astern, Indianernessel (Monarda), Flammenblume (Phlox) und Steppen-Salbei ratsam.
Gegen zu viele Sämlinge hilft ein Herbstschnitt dagegen nicht mehr, denn dann sind die Samen meist schon gefallen. „Natur im Garten“ rät bei Frühsommerblühern wie Frauenmantel, Akelei oder Spornblume: Wer weniger Sämlinge im Beet haben möchte, schneidet die Samenstände gleich nach der Blüte. Andere Samenstände bleiben dagegen über den Winter stehen und bieten den Wintervögeln Futter.
Es gibt auch abweichende Beschreibungen. Die Landwirtschaftskammer Oberösterreich schreibt in einem Beitrag zum Staudenbeet aus dem Jahr 2023, dass vertrocknete Blütenstände im Herbst einfach in Bodennähe abgeschnitten werden. Der Herbstschnitt kommt also auch in Fachbeiträgen vor, steht aber im Gegensatz zur Empfehlung der Naturgarten-Stellen, mit dem Rückschnitt bis zum Frühling zu warten.
Ein Kompromiss für aufgeräumte Beete
Wenn Sie den Anblick abgestorbener Stauden vor dem Haus nicht mögen, wählen Sie gezielt aus: Schneiden Sie die pilzanfälligen Arten und lassen Sie in den hinteren Beeten oder in einer Gartenecke die übrigen Stauden stehen. So bleibt das Winterquartier erhalten, ohne dass das ganze Grundstück verwildert wirkt.
Der Rückschnitt im Frühjahr
Was im Herbst stehen bleibt, wird im Frühjahr zurückgeschnitten. „Natur im Garten“ betont, dass der Rückschnitt dann rasch erfolgen muss. Der Zeitpunkt sei wichtig, denn die frischen Triebe schieben aus der Erde, sobald der Boden von der Sonne erwärmt wird. Wann das ist, hängt von Lage, Höhenlage und Witterung ab und fällt von Jahr zu Jahr unterschiedlich aus. Der Austrieb ist der bessere Maßstab als der Kalender.
- Beet beobachten: Sobald der Boden wärmer wird und sich die ersten Triebe zeigen, ist es Zeit.
- Stiele bodeneben abschneiden: „Natur im Garten“ empfiehlt, vertrocknete Stiele mit Blüten- und Fruchtständen bodeneben mit der Gartenschere zurückzuschneiden. Eine passende Schere finden Sie in unserer Kaufberatung zur Gartenschere.
- Laubschicht lichten: Laut „Natur im Garten“ sollte auch ein Teil der dicken Laubschicht entfernt werden, damit der Austrieb leichter durchkommt.
- Reste kompostieren: Nach „Natur im Garten“ kommen diese Reste des Winters auf den Kompost.
Ein Rat, wenn Sie Stängel mit Wildbienen-Bruträumen vermuten: Da junge Wildbienen laut DIE UMWELTBERATUNG häufig erst im Frühjahr schlüpfen, lohnt es sich, nicht alles auf einmal zu schneiden. Lassen Sie einzelne standfeste Stängel länger stehen, wie es „Natur im Garten“ für die Karde beschreibt. Wie Sie bei Ziergräsern im Herbst vorgehen, lesen Sie im Beitrag Ziergräser im Winter.
Weitere Winterquartiere im Garten
Stehende Stauden sind nur ein Baustein. DIE UMWELTBERATUNG nennt außerdem Laub, in dem Marienkäfer, Spinnen und viele andere nützliche Insekten überwintern, und Totholz. Wie Sie Laub und Reisig sinnvoll für den Igel aufschichten, zeigt unser Tipp Igel im Garten: Laub- und Reisighaufen anlegen. Was mit dem restlichen Laub geschieht, lesen Sie im Ratgeber Laub im Garten: liegen lassen, kompostieren oder entsorgen. Die Insekten in solchen Winterquartieren dienen laut DIE UMWELTBERATUNG wiederum hungrigen Vögeln als Nahrung; wer den Vögeln zusätzlich helfen möchte, findet Hinweise in Vögel im Winter füttern.
Auf einen Blick
- Stehen lassen: die meisten verblühten Stauden samt Stängeln und Samenständen, als Winterquartier für Insekten und Futter für Vögel.
- Im Herbst schneiden: Pfingstrosen und Arten der Schneerosen-Verwandtschaft bodeneben, bei wiederkehrenden Pilzproblemen auch Astern, Indianernessel, Phlox und Steppen-Salbei.
- Im Frühjahr: rasch und bodeneben schneiden, sobald der Boden warm wird und die Triebe kommen; Laubschicht lichten; Reste auf den Kompost.
- Kompromiss: vorne aufräumen, hinten stehen lassen. Einzelne standfeste Stängel dürfen länger bleiben.
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Welche Arbeiten im November im Garten anstehen, zeigt der Gartenkalender November. Weitere Ratgeber finden Sie in der Rubrik Pflanzen.