Gartenschere: Welche passt zu welchem Schnitt?

Gartenschere und Astschere auf einer Holzplatte, daneben ein frischer Rosentrieb und ein trockener Ast

· Gartengeräte & Technik

Eine Gartenschere schneidet nicht alles gleich gut. Sobald ein Ast zu dick wird, hilft nur ein anderes Werkzeug. Wer weiß, was er schneiden will, kauft seltener doppelt. Dieser Beitrag erklärt die gängigen Bauarten, nennt Kriterien für den Kauf und zeigt, wie Sie die Schere pflegen und beim Schnitt kranker Pflanzen sauber arbeiten.

Bypass oder Amboss: der wichtigste Unterschied

Bei einer Bypass-Schere arbeiten zwei Schneiden, bei einer Amboss-Schere trifft die Klinge auf einen Amboss. So unterscheidet es der Verein für Konsumenteninformation (VKI) in seinem Bericht „Garten- und Astscheren“ von 2015. Demnach sind Amboss-Modelle etwas kraftsparender, mit zwei Klingen sollen bessere Schrägschnitte möglich sein. Im Test des VKI waren die Unterschiede allerdings gering.

„Natur im Garten“ geht in seiner Empfehlung „Werkzeuge für jeden Garten“ (Stand 07.03.2023) einen Schritt weiter: Man solle in eine hochwertige Schere mit Bypass-System investieren, das garantiere saubere, glatte Schnitte. Für lebende Triebe, Rosen und Sträucher ist das auch unsere Empfehlung. Wie stark sich beide Bauarten in der Praxis unterscheiden, haben wir nicht selbst geprüft.

Wie dick darf der Ast sein?

Eine Faustregel nennt „Natur im Garten“ in der Broschüre „Gehölze – Bäume, Sträucher und Lianen“ (Grünraum-Mappe, Stand nach den Dateidaten 2020): Wenn die Gartenschere beim Schnitt klemmt, ist der Ast zu dick, und es muss eine Säge verwendet werden. Dieselbe Broschüre rät dazu, scharfes und das richtige Werkzeug zu verwenden und keine Aststümpfe stehen zu lassen.

Wer regelmäßig an die Grenze kommt, braucht eher das nächstgrößere Werkzeug als mehr Kraft.

Wo die Schere ansetzen?

Das beste Werkzeug nützt wenig, wenn der Schnitt an der falschen Stelle sitzt. Die Broschüre von „Natur im Garten“ rät, keine Aststümpfe stehen zu lassen und keine stammparallelen Schnitte auszuführen. Der Grund: Jeder Ast hat an seiner Basis einen Astkragen, in dem laut Broschüre eine chemische Sperrschicht mit Abwehrmechanismen gegen das Eindringen von Krankheitskeimen liegt. Bei Sträuchern gilt laut derselben Quelle: Bleibt beim Schnitt ein Stummel stehen, stirbt dieser ab, und Totholz ist immer eine Quelle für Fäulnis und Pilzbefall.

Astschere: wenn die Gartenschere nicht mehr reicht

Laut VKI ist eine Astschere für grobe Arbeiten und dicke Äste gedacht, wenn eine Gartenschere nicht mehr ausreicht. Kurzarmige Modelle eignen sich eher für weniger dicke Äste; lange Holme oder eine Teleskopfunktion erhöhen die Hebelwirkung und die Reichweite. Für sehr dicke Äste bleibt die Säge.

Getriebe und Ratsche: weniger Kraftaufwand

Manche Scheren übersetzen die Handkraft mit einem Getriebe. Laut VKI überträgt eine zahnradartige Übersetzung das Zusammenpressen der Holme effizient auf die Klingen; dafür müssen die Arme einer solchen Getriebeschere allerdings weit auseinandergezogen werden. Das kann sich lohnen, wenn Sie viel schneiden oder Ihre Hände rasch ermüden. Ob eine Ratschenschere, die in Stufen zudrückt, ebenfalls dazugehört, ließ sich an österreichischen Quellen nicht belegen; fragen Sie im Fachhandel nach der Funktionsweise und probieren Sie das Modell aus.

Griffgröße und Linkshänder

Laut VKI unterscheiden sich die Griffformen; bei manchen rundlichen, geschlossenen Griffen stoßen bei normal großen Händen die Knöchel immer wieder an den Kunststoff. Der Bericht rät, die Schere vor dem Kauf unbedingt auszuprobieren. Das gilt auch für Linkshänder: Eine eigene Aussage zu Linkshändermodellen haben wir in unseren Quellen nicht gefunden. Prüfen Sie daher im Geschäft, ob Griff und Verriegelung in Ihrer Hand bequem liegen.

Weitere Kriterien beim Kauf

  • Zerlegbar und nachschärfbar: „Natur im Garten“ schreibt, hochwertige, zerlegbare Modelle könnten relativ einfach selbst gewartet und geschärft werden.
  • Einkerbung am Klingenansatz: Laut „Natur im Garten“ praktisch, weil sich damit Draht schneiden lässt, ohne die Klinge zu beschädigen.
  • Ersatzteile: Der VKI nennt neben Gewicht, Feststeller und Halteschlaufe auch die Verfügbarkeit von Ersatzteilen.

Pflege und Schärfen

Qualitätsprodukte sind laut „Natur im Garten“ bei richtiger Pflege langlebig, und Reparaturen lassen sich bei Bedarf meist selbst oder im Fachgeschäft durchführen. Gut gepflegtes Gartenwerkzeug hält länger. Wie Sie die Schere im Herbst versorgen, steht ausführlich im Beitrag Gartengeräte einwintern. Kurz zusammengefasst nach „Natur im Garten“ (Herbstputz im Geräteschuppen):

  • Groben Schmutz mit warmem Wasser abbürsten und die Schere trocknen.
  • Rostflecken auf der Klinge mit feinem Nassschleifpapier in kreisenden Bewegungen entfernen, ohne über die Schneide zu streichen.
  • Die Klingen können Sie mit einem nassen Wetz- oder Schleifstein selbst schärfen. Sind Sie unsicher, überlassen Sie das einem Profi.
  • Gelenk und Schrauben mit etwas Nähmaschinenöl ölen und die Schere locker in ein trockenes Tuch eingeschlagen aufbewahren.

Hygiene beim Schnitt kranker Pflanzen

Die Schere kann Krankheiten weitertragen. Die AGES nennt beim Feuerbrand ausdrücklich „Werkzeug, Schuhe, Hände, Kleidung, Reifen und Maschinen“ als Wege der Weiterverbreitung und rät: „Schnittwerkzeuge immer gründlich desinfizieren bzw. abflammen!“ (AGES, Feuerbrand, aktualisiert 18.12.2025). Bei starkem Befall sollen mechanische Maßnahmen wie Formierung und Schnitt laut AGES unterbleiben, weil sich die Bakterien dabei stark verbreiten können. Rodung oder großzügiger Rückschnitt befallener Pflanzen soll laut AGES so rasch wie möglich erfolgen, am besten innerhalb weniger Tage nach Feststellung des Befalls.

Allgemein rät „Natur im Garten“ im Pressetext „Richtiger Baumschnitt“ (04.02.2019), ausschließlich sauberes und scharfes Schnittwerkzeug zu verwenden und es zu desinfizieren, damit keine Keime übertragen werden. Wie das geht, beschreibt „Natur im Garten“ im Herbstputz-Beitrag: die zusammengebaute Schere etwa zehn Minuten in mindestens 70-prozentigen Alkohol legen. Mehr zum Zeitpunkt der Arbeiten im Garten finden Sie im Gartenkalender November.

Auf einen Blick

  • Lebende Triebe, Rosen, Sträucher: Bypass-Schere, laut „Natur im Garten“ für glatte, saubere Schnitte.
  • Klemmt die Schere: Ast zu dick – Säge oder, je nach Stärke, Astschere.
  • Dicke Äste: Astschere mit langen Holmen oder Teleskop; kurze Arme bedeuten weniger Hebel.
  • Griff: vor dem Kauf in die Hand nehmen und ausprobieren.
  • Pflege: reinigen, trocknen, ölen, bei Bedarf schärfen.
  • Kranke Pflanzen: Werkzeug desinfizieren oder abflammen, bei Feuerbrand besonders gründlich.

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Weitere Beiträge zu Werkzeug und Technik finden Sie in der Rubrik Gartengeräte & Technik.

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