Kübelpflanzen überwintern: wann, wo und wie sie gut durch den Winter kommen

In Jute eingepackter Terrakottakübel auf Holzlatten an der Hauswand, die Erde mit Laub und Reisig abgedeckt; hinter der Glastür ein Oleander und ein Zitronenbäumchen

· aktualisiert am · Balkon & Terrasse

Oleander, Olive, Zitronenbäumchen und Engelstrompete haben den Sommer auf Balkon und Terrasse verbracht. Die meisten von ihnen stammen aus dem Mittelmeerraum oder aus noch wärmeren Gegenden und brauchen im Winter Schutz. Welche Pflanze wann ins Haus muss, welcher Raum sich als Winterquartier eignet und wie winterharte Arten im Topf draußen gut durch die kalte Jahreszeit kommen, erklärt diese Anleitung.

Wann räume ich ein? Der Frost entscheidet, nicht der Kalender

Einen festen Termin gibt es nicht. Ob im pannonischen Osten oder in alpinen Lagen: Der erste Frost kommt je nach Region und Seehöhe unterschiedlich früh. Die niederösterreichische Initiative „Natur im Garten“ fasst die Regel kurz zusammen: „Spät rein, früh raus“. Kübelpflanzen sollen so spät ins Haus, wie es die Witterung zulässt, weil die meisten Winterquartiere nicht ideal sind. Beobachten Sie deshalb ab Oktober den Wetterbericht und räumen Sie gestaffelt ein, nach der Frostempfindlichkeit der Pflanzen.

Zuerst hinein: die Empfindlichen

Hibiskus, Engelstrompete, Bougainvillea, Korallenstrauch und andere Pflanzen aus den Tropen müssen laut „Natur im Garten“ vor den ersten Frösten ins Haus. In den Gartentipps der ORF-Sendung „Studio 2“ werden außerdem Enzianbaum, Wandelröschen, Mandevilla, Pelargonien (Geranien) und Margeriten genannt: Sobald die ersten Nachtfröste auftreten, gehören sie in ein frostfreies Quartier. Schaffen Sie das nicht sofort, decken Sie die Pflanzen in Frostnächten mit Vlies oder einem Leintuch ab und stellen Sie sie nahe ans Haus.

Später hinein: die Mittelmeerpflanzen

Oleander, Wollmispel, Lorbeer, Olive, Bitterorange und Erdbeerbaum vertragen nach Angaben von „Natur im Garten“ leichte Nachtfröste und dürfen an einer geschützten Stelle länger im Freien bleiben. „Die Umweltberatung“ rät, Kübelpflanzen ab Oktober zumindest unter ein schützendes Vordach zu stellen und sie rechtzeitig vor stärkerem Frost in Sicherheit zu bringen.

Zuletzt hinein: die Robusten

Kamelie, Granatapfel und Jasmin halten länger durch. Sie können laut „Die Umweltberatung“ bis Ende November draußen bleiben, „Natur im Garten“ zufolge in außergewöhnlich milden Jahren auch länger. Fröste unter minus 10 Grad vertragen aber auch sie nicht.

Das passende Winterquartier

Ideal ist ein Raum, der frostfrei, hell und gut zu lüften ist. „Natur im Garten“ nennt Temperaturen zwischen 5 und 10 Grad als optimal, „Die Umweltberatung“ zwischen 3 und 10 Grad. Dabei gilt: Je wärmer es über 10 Grad wird, desto heller muss der Platz sein. Wintergärten und Stiegenhäuser eignen sich nur, wenn sie nicht wie ein Wohnraum beheizt werden. Wintergärten brauchen außerdem Lüftung und Beschattung, sonst heizt die Wintersonne die Luft zu stark auf.

Hell und kühl: die Immergrünen

Oleander, Olive, Lorbeer und Zitruspflanzen behalten ihr Laub und brauchen deshalb ein helles Quartier. Für Lorbeer, Granatapfel, Hanfpalme, Yucca und Bitterorange kommt laut „Natur im Garten“ in nicht allzu rauen Gegenden auch eine Garage mit Fenstern in Frage. Bei Dauerfrost oder Nachttemperaturen unter minus 10 Grad braucht es dort allerdings einen Frostwächter oder eine Notheizung.

Dunkel möglich: Pflanzen, die ihr Laub abwerfen

Nur wenige Arten vertragen einen dunklen Raum. Gärtnermeister Gerhard Krepela nennt auf help.ORF.at Engelstrompeten, Akazien und Fuchsien. Sie verlieren dort ihre Blätter und brauchen im Frühjahr länger, um sich zu erholen. Laut Radio-Wien-Gartenexperte Karl Ploberger benötigen Kübelpflanzen, die ihr Laub verlieren, etwa Granatapfel, die schmalblättrige Schmucklilie oder Fuchsien, kein Licht. Ein Haken am Keller: In neueren Häusern ist er meist zu warm. Lüften Sie so, dass die Temperatur unter 8 bis 10 Grad bleibt. Wie Sie die Temperatur im Winterquartier mit einem Min-Max-Thermometer im Blick behalten, steht im Beitrag Min-Max-Thermometer im Winterquartier.

Vorbereiten: kontrollieren, putzen, zurückschneiden

Bevor eine Pflanze ins Quartier übersiedelt, sehen Sie sie genau an. Schädlinge und Krankheiten breiten sich laut „Natur im Garten“ bei schlechten Bedingungen im Winter rasch aus. Abgeblühte und kranke Pflanzenteile werden abgeschnitten, vertrocknete Blätter und altes Laub auf der Erde entfernt. „Die Umweltberatung“ empfiehlt außerdem, die Düngung einzustellen, die Pflanzen mit trockenen Blättern einzuräumen und sie nicht zu dicht zu stellen, weil sonst Pilzkrankheiten drohen.

Ein Rückschnitt spart Platz. Laut „Die Umweltberatung“ können Sie vor dem Einräumen höchstens ein Drittel des heurigen Zuwachses wegnehmen. In den „Studio 2“-Gartentipps werden Fuchsien, Wandelröschen und Korallensträucher als Pflanzen genannt, die sich gut einkürzen lassen.

Vorsicht beim Oleander: Hier werden laut derselben Quelle oft Schnittfehler gemacht. Wenn überhaupt, schneiden Sie nur zwei bis drei ältere Triebe heraus. Die rötlich gefärbten Knospenansätze an den Triebspitzen sind die Blüten des kommenden Jahres und bleiben stehen. Entfernen Sie nur die Samenschoten.

Steht der Kübel im Quartier auf Fliesen oder Steinboden, legen Sie laut „Die Umweltberatung“ Korkplatten oder Holzbretter darunter. Das schützt den Wurzelballen vor dem Kälteschock.

Pflege im Winterquartier

  • Wenig gießen: Laut „Natur im Garten“ nur so viel, dass der Wurzelballen nicht ganz austrocknet. Bei Zitruspflanzen darf die Erde laut „Studio 2“ weder länger klitschnass sein noch austrocknen.
  • Nicht düngen: Im Winter kann die Düngung entfallen.
  • Lüften: An sonnigen Tagen Wintergarten und Glashaus unbedingt lüften, im Keller die Temperatur über das Lüften niedrig halten.
  • Regelmäßig kontrollieren: Sehen Sie die Pflanzen immer wieder auf Schädlinge durch. Statt Pflanzenschutzmitteln haben sich laut „Die Umweltberatung“ Schmierseifenlösung, Rainfarntee, Knoblauchbrühe und Pflanzenöle bewährt.

Winterharte Kübelpflanzen draußen schützen

Buchs, Bambus und Kirschlorbeer können laut Gärtnermeister Krepela draußen bleiben. Auch sie brauchen im Topf Schutz. „Natur im Garten“ rät zu folgenden Schritten:

  1. Den Topf auf etwa 3 Zentimeter hohe Holzlatten oder Ziegelsteine stellen. So sind die Pflanzen laut „Natur im Garten“ vor Staunässe, Frostschäden und andauernder Bodenkälte geschützt.
  2. Das Gefäß mit Jute, Strohmatten oder Vlies einwickeln. Alternativ dämmt ein zweiter Übertopf, gefüllt mit Laub oder Stroh.
  3. Die Erde mit Reisig und Laub, Hanffaser oder einer zugeschnittenen Hanfmatte abdecken.
  4. Den Kübel nahe an die Hauswand stellen, geschützt vor Wind, Witterung und starker Sonne.
  5. Die Feuchtigkeit kontrollieren: Vor allem immergrüne Pflanzen trocknen im Winter leicht aus. Gedüngt wird im Herbst und Winter nicht.

Wie Sie Herbstlaub sonst noch als Winterschutz nutzen, lesen Sie im Beitrag Laub im Garten.

Ausräumen im Frühjahr

„Früh raus“ gilt auch hier, aber mit Bedacht. Laut „Die Umweltberatung“ können Sie Kübel, die nicht zu schwer sind, schon an milden Tagen im zeitigen Frühjahr ins Freie stellen. Ganz draußen bleiben sie erst ab Mitte Mai. Exotische Pflanzen verlassen das Quartier erst nach den Eisheiligen, also nach dem 15. Mai, weil späte Nachtfröste sie stark schädigen können.

Gewöhnen Sie die Pflanzen langsam an die Sonne: zuerst etwa eine Woche in den Schatten, am besten nahe der Hausmauer, danach rund zwei Wochen in den Halbschatten. Erst dann kommen sie an ihren sonnigen Sommerplatz.

Häufige Fehler

  • Plastikfolie als Frostschutz: Darunter kann es laut „Studio 2“ durch Verdunstungskälte noch kälter werden. Besser Vlies oder ein Leintuch.
  • Zu warm und zu dunkel: Beheizte Räume eignen sich laut „Natur im Garten“ nicht, und Keller sind laut „Studio 2“ oft zu warm für das wenige Licht.
  • Zu viel Wasser: Im Quartier brauchen die Pflanzen nur wenig.
  • Nass und dicht gedrängt einräumen: Das fördert Pilzkrankheiten.
  • Oleander radikal schneiden: Dann fehlen im nächsten Jahr die Blüten.
  • Direkt in die pralle Sonne: Nach dem Winter brauchen die Pflanzen erst Schatten und Halbschatten.

Giftige Kübelpflanzen

Einige beliebte Kübelpflanzen sind giftig. Die Veterinärmedizinische Universität Wien führt in ihrem Folder über giftige Gartenpflanzen den Oleander als giftig für alle Tierarten, die Engelstrompete als giftig vor allem für Menschen, mit der höchsten Zahl an Warnzeichen. Auch Wandelröschen steht auf der Liste. Wenn Kinder oder Haustiere im Haushalt leben, wählen Sie das Winterquartier so, dass sie nicht an die Pflanzen und an abgefallene Blätter kommen.

Weitere Ideen für Ihren Freiraum finden Sie in der Rubrik Balkon & Terrasse.

Das Wichtigste in Kürze

  • Spät rein, früh raus: Der Frost entscheidet, nicht das Datum.
  • Tropische Arten wie Engelstrompete und Hibiskus vor dem ersten Frost einräumen, Mittelmeerpflanzen später, Kamelie und Granatapfel zuletzt.
  • Das ideale Quartier ist frostfrei, hell, gut zu lüften und kühl, rund 5 bis 10 Grad.
  • Engelstrompete, Fuchsie und andere laubabwerfende Arten vertragen auch einen dunklen, kühlen Raum.
  • Vor dem Einräumen auf Schädlinge kontrollieren, höchstens ein Drittel des heurigen Zuwachses schneiden, Oleander nur behutsam.
  • Im Quartier wenig gießen, nicht düngen, lüften und regelmäßig kontrollieren.
  • Winterharte Kübel draußen auf Latten stellen, einpacken, an die Hauswand rücken und feucht halten.
  • Exoten erst nach den Eisheiligen ganz ins Freie und langsam an die Sonne gewöhnen.

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