Wer im Garten Äpfel, Marillen oder Ribisel ernten möchte, setzt die Pflanzen am besten im Herbst. Was dabei zu beachten ist, hängt von der Art der Ware ab, vom Standort und von ein paar Handgriffen beim Pflanzen: Pflanzloch, Pfahl, Wühlmausschutz und Angießen. Diese Anleitung führt Schritt für Schritt durch die Pflanzung von Obstbäumen und Beerensträuchern. Was im Garten sonst im Herbst ansteht, steht im Gartenkalender Oktober.
Warum der Herbst die beste Pflanzzeit ist
„Natur im Garten“ nennt den Herbst, bevor der Boden friert, die beste Pflanzzeit für Obstbäume und Beerensträucher. Dafür gibt es mehrere Gründe, die in den Quellen genannt werden:
- Der Gartenexperte Harald Rammel erklärt im ORF Vorarlberg, dass Gehölze im Herbst weniger Stress haben, ihr Wachstum beendet haben und es in der Regel kühler und feuchter ist. Auch Topfbäume schlagen ihre Wurzeln laut Rammel in den noch warmen Boden und starten im Frühling besser.
- Laut dem Blog von „Natur im Garten“ brauchen herbstgepflanzte Bäume deutlich weniger Gießwasser als Frühjahrspflanzungen, weil über die Blätter weniger verdunstet. Der Blog empfiehlt, Gehölze im Oktober und November an frostfreien Tagen zu setzen.
Eine Einschränkung gilt für frostgefährdete Arten: Wein und Marille pflanzen Sie in rauen Lagen laut „Natur im Garten“ besser im Frühjahr. Auch die Umweltberatung empfiehlt für Frostempfindliche wie Walnuss, Mandel und Marille die Pflanzung im Frühling.
Wurzelnackt oder mit Ballen: Was ist der Unterschied?
Gehölze werden wurzelnackt, mit Wurzelballen oder im Container angeboten. Der Zeitpunkt hängt von der Ware ab. Die Umweltberatung nennt für wurzelnackte Pflanzen die Ruheperiode zwischen Oktober und März, Ballenware kann im Herbst oder im Frühjahr gesetzt werden, Containerware ist ganzjährig möglich. Im Sommer ist dann ausreichendes Gießen wichtig.
Wurzelnackte Ware
Laut Rammel lassen sich wurzelnackte Gehölze leicht transportieren und wieder einpflanzen. Ab Mitte Oktober bieten Baumschulen vermehrt wurzelnackte Obst-, Hecken- und Wildgehölze an. Pflanzen Sie sie zügig, rät der Blog von „Natur im Garten“, und wässern Sie sie vorher: Der Blog empfiehlt eine Nacht im Wasser, die Umweltberatung ein bis zwei Stunden in einem Kübel Wasser. Beschädigte Wurzeln werden abgeschnitten, zu lange Wurzeln kürzt man laut Umweltberatung um etwa ein Drittel.
Ware mit Ballen oder im Container
Bei Containerware ist es für die Herbstpflanzung laut dem Blog von „Natur im Garten“ sinnvoll, die Erde des Wurzelballens ordentlich auszuschütteln. Dabei werden die Wurzeln gelockert und ein Drehwuchs aufgelöst. Verletzte oder abgestorbene Wurzeln entfernen Sie, die übrigen werden angeschnitten, um die Wurzelbildung anzuregen. Auch diese Ware wässern Sie vor dem Pflanzen über Nacht.
Standort und Sortenwahl
Legen Sie den Standort fest, bevor Sie kaufen. Die Umweltberatung rät, Licht- und Bodenverhältnisse zu berücksichtigen und Wuchshöhe und Kronengröße im Blick zu haben, auch gegenüber Gebäuden und dem Nachbargrundstück.
Wie viel Raum ein Obstbaum braucht, hängt von der Unterlage ab. Rammel nennt für schwachwüchsige Bäume in Spindelform 1,5 bis 2 Meter Abstand in der Reihe, Halb- oder Hochstämme benötigen etwa 8 × 8 Meter pro Baum. Schwachwüchsige Unterlagen bringen kleine Bäume hervor, die ihr Leben lang einen Pflock als Stütze benötigen.
Für den Hausgarten empfiehlt Rammel robuste Sorten, da niemand regelmäßig Pflanzenschutz betreiben möchte, und er hebt die Beratung durch den Baumschulgärtner hervor. Die Umweltberatung rät zu Qualität aus der regionalen Baumschule, weil diese Pflanzen an das lokale Klima angepasst sind. Achten Sie auf eine unverletzte Rinde. Konkrete Sorten nennen wir hier bewusst nicht: Fragen Sie in einer Baumschule in Ihrer Region nach Sorten, die dort bewährt sind.
Das Pflanzloch
Die Pflanzgrube sollte laut Umweltberatung mindestens doppelt so groß sein wie die Wurzelmasse oder der Wurzelballen. Der Blog von „Natur im Garten“ nennt dasselbe Maß: doppelt so breit und tief, wie der Wurzelballen groß ist.
- Lockern Sie den Boden im Loch spatentief mit der Grabgabel. Bei schweren, nassen Böden bringt die Umweltberatung zusätzlich eine Drainageschicht ein.
- Mischen Sie die Aushuberde mit etwa einem Drittel gut gereiftem Kompost. Bei schwerem Boden mischt der Blog zusätzlich Quarzsand, Kies oder Ziegelsplitt unter.
- Setzen Sie die Pflanze so tief, wie sie vorher in der Baumschule stand. Bei wurzelnackter Ware erkennen Sie diese Tiefe laut Umweltberatung an der bräunlichen Verfärbung am Wurzelhals.
- Bei Obstbäumen soll sich die Veredelungsstelle laut dem Blog etwa eine Handbreit über dem Bodenniveau befinden.
Wühlmausschutz
Wo Wühlmäuse vorkommen, empfiehlt „Natur im Garten“, das Pflanzloch mit einem Gitter von höchstens 13 Millimeter Maschenweite auszukleiden. Das Gitter soll bis zur Stammbasis an die Oberfläche reichen, damit die Tiere nicht von oben einwandern. Ein engmaschiges Gitter um den Wurzelballen kann laut „Natur im Garten“ für empfindliche junge Wurzeln lebensrettend sein.
Stützpfahl
Der Blog von „Natur im Garten“ setzt Pfähle ein, die den Baum etwa drei Jahre lang stabilisieren, damit die Feinwurzeln nicht abreißen. Ein Pfahl sollte auf der Seite der Hauptwindrichtung stehen, im Blog ist das der Nordwesten. Die Umweltberatung nennt mindestens einen Pfosten auf der Seite der Hauptwindrichtung, zwei seien stabiler. Beim Einschlagen dürfen Stamm und Wurzeln nicht verletzt werden.
Angebunden wird der Baum laut Umweltberatung eine Handbreit unter dem Kronenansatz, empfohlen wird Kokosschnur, die Sie regelmäßig nachbinden. Der Blog rät, die Befestigung einmal jährlich zu prüfen, damit sie nicht einschnürt. Nach zwei bis drei Jahren (Umweltberatung) bzw. nach drei Jahren (Blog) wird der Pfahl entfernt. Ausnahme sind die schwachwüchsigen Unterlagen: Dort bleibt der Pflock laut Rammel dauerhaft nötig.
Angießen und Mulchen
Der Blog von „Natur im Garten“ gibt beim Pflanzen zuerst Wasser ins Loch, etwa zwei 10-Liter-Kübel, und füllt dann das Erde-Kompost-Gemisch ein. Nach dem Pflanzen formen Sie einen Gießrand und wässern reichlich. Auch die Umweltberatung rät, die Pflanzen nach dem Setzen gut einzuschlämmen.
Gießen Sie in der ersten Saison regelmäßig, danach laut Umweltberatung nur bei Trockenheit, dann seltener, aber dafür größere Mengen. Der Blog empfiehlt, die Baumscheibe zu mulchen. Die Umweltberatung nennt eine dünne Mulchschicht, die vor Austrocknung schützt und den Boden frei von Bewuchs hält.
Pflanzschnitt: im Herbst oder erst im Frühjahr?
Für Obstbäume beschreibt der Blog von „Natur im Garten“ einen Pflanzschnitt: Wählen Sie vier kräftige Seitentriebe, möglichst gleichmäßig auf die Himmelsrichtungen verteilt. Überzählige Triebe werden entfernt. Die Seitentriebe kürzen Sie auf gleiche Höhe ein, bei Kernobst um ein Drittel, bei Steinobst um die Hälfte. Die Stammverlängerung wird ab der letzten Verzweigung um ein Drittel gekürzt. Wichtig ist der Hinweis des Blogs: „In stark frostgefährdeten Regionen solltet ihr den Pflanzschnitt auf das Frühjahr verschieben.“
Beerensträucher
Für Beerensträucher gilt dieselbe Herbstregel wie für Obstbäume. Die Hinweise der Umweltberatung zu Pflanzgrube, Pflanztiefe und Einschlämmen gelten für Gehölze allgemein, das Wühlmausgitter empfiehlt „Natur im Garten“ für Neupflanzungen. Genaue Abstände hängen von Art und Sorte ab: Lassen Sie sich in der Baumschule beraten, bevor Sie die Reihe markieren.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Herbst vor dem Bodenfrost ist die beste Pflanzzeit, frostempfindliche Arten wie Marille und Wein in rauen Lagen besser im Frühjahr.
- Wurzelnackte Ware nur in der Ruheperiode setzen, vorher wässern und zügig pflanzen.
- Pflanzloch mindestens doppelt so groß wie Ballen oder Wurzelmasse, Boden lockern, Aushub mit Kompost mischen.
- So tief pflanzen wie in der Baumschule, Veredelungsstelle eine Handbreit über dem Boden.
- Wo es Wühlmäuse gibt, das Loch mit einem Gitter bis maximal 13 Millimeter Maschenweite auskleiden.
- Pfahl auf der Windseite einschlagen, Anbindung jährlich prüfen.
- Gießrand formen, reichlich angießen, im ersten Jahr regelmäßig gießen, die Baumscheibe mulchen.
- In stark frostgefährdeten Regionen den Pflanzschnitt auf das Frühjahr verschieben.
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Mehr zu den Arbeiten in den kommenden Wochen finden Sie im Gartenkalender November, weitere Themen in der Rubrik Gemüse, Obst & Kräuter.